Was soll ich zu so einem Shooting anderes sagen. Vor kurzem hat Jenny ihre wunderbaren langen Haare abschneiden lassen. Respekt. Vorher war sie wunderschön, aber jetzt fand ich sie interessanter. Das erscheint euch oberflächlich?
Mag sein. Für mich ist es das nicht. Optisch finde ich kurze Haare meist wirklich interessanter und eine Frau, die ihre Haare aus Neugierde und dem Wunsch nach Veränderung abschneidet, finde ich auch interessant. Natürlich ist das nicht der einzige Aspekt für eine gute Zusammenarbeit und es würde nicht viel nutzen, wenn die Chemie nicht stimmen würde, kein Ausdruck vorhanden wäre und wir 2h nichts zu reden gehabt hätten. Hatten wir aber 🙂
Und dann diese Ergebnisse – bei einem „Kennenlernshooting“.

Ich liebe Outdoor-Shootings. Man weiß nie was man bekommt. Was mir zwar auch immer ein wenig Angst macht, aber umso größer die Freude, wenn es dann „passt“.
Wobei man den Zufall wie Lindbergh sehen sollte. Der Zufall ist das was einem zu fällt. Positiv denken. Die Herausforderung annehmen und mit dem Gegebenen klar kommen oder gar das Beste draus machen.

Bei einem Outdoor-Shooting weiß man nicht wie das Licht sein wird, ob es Wolken am Himmel gibt oder die Sonne erbarmungslos herabbrennt, oder der Himmel langweilig grau ist. Man kann die Mitmenschen nur bedingt einplanen. Wir wollten u.a. ein wenig Richtung „woman on street“ machen. Wie werden die Gegebenheiten sein?
Bei einem Erstshooting kommt natürlich hinzu, dass man sich nicht kennt. Ein wenig hin- und hergeschrieben. Vielleicht ein paar Moods ausgetauscht. Es ergibt sich ein erster Eindruck. Aber wie wird es real sein? Selbst wenn die langen Haare geblieben wären, ein Bild ist ein Bild, das Leben ist was anderes.

Aber ich muss sagen, selten kommt so viel Gutes zusammen wie dieses Mal. Das Wetter war gut – geworden. Mittags noch eher gräulich wurde es zum Nachmittag blau mit Wolken bei angenehmen Temperaturen. Und wie unschwer zu erkennen ist, hat auch die Sonne mitgespielt.

Ich wünschte mir im Vorfeld ein leicht elegantes Outfit. Schwarzer Rolli (ja ja, ich liebe sie einfach) mit Perlenkette.  Und genau so erschien Jenny am verabredeten Treffpunkt, einem Café. Es ist selten verkehrt ein Shooting mit einem Kaffee zu beginnen. Sich ohne Kaffee kennenzulernen sollte unbedingt vermieden werden 🙂
Der Kaffee ist lecker, die Chemie stimmt. Wir können miteinander reden. Der Anfang ist gemacht. Ob man sich fotografisch aufeinander einlassen kann wird sich zeigen.

Zwei Locations hatte ich mir überlegt und ein wenig „Kleinkram“ als Plan B falls noch Zeit ist oder es nicht so läuft wie gedacht.
Vom Café aus waren es nur ein paar hundert Meter zu Location Nummer 1. Die ersten Bilder sind einfach nur zum reinkommen, zum herausfinden wie der andere tickt.


Wie ich fotografiere? Mit wenig Anweisungen. Viel Kommunikation, aber wenig Anweisungen. Dieses „Den Kopf ein Grad nach links, das Kinn 1mm höher. Usw.“ ist nicht meins. Ich bewerte es nicht. Und ich generalisiere es nicht. Es gibt auch in meiner Fotografie Situationen, bei denen ich es für angebracht halte.
Aber meist möchte ich, dass meine Shootingpartnerin Luft zum atmen hat, sich entfalten und einbringen kann. Mindestens einer von uns beiden ist dann fast immer in Bewegung.

Trotz Zoom komme ich näher, entferne mich wieder, strecke mich, beuge mich oder umkreise meine Kreativpartnerin. Manchmal sind sie Anfangs etwas irritiert, wissen nicht so genau was passiert – ich weiß das ja auch nicht. Und das ist gut so.
Dadurch kommen wir beide ein Stück aus unseren Routinen raus. Wenn es gut läuft, dann entsteht eine Art Improtanz. Und mit etwas Glück laufe ich nirgends gegen – an dieser Stelle mit Fürsorge zu rechnen und zu hoffen, ausreichend früh vor Hindernissen gewarnt zu werden ist schlicht naiv 🙂
Es ist keine Zeit für langes nachdenken wie man maximal vorteilhaft aussieht, was denn nun gerade die Schokoladenseite ist. Es entsteht Wahrheit. Wahrheit in der Inszenierung. Unperfekte Wahrheit, denn es ist auch keine Zeit jede Haarsträhne zu bändigen oder den sitzt der Klamotten zu prüfen.

Und das ist das, was ich haben möchte; Bilder, die leben.

Natürlich gibt es auch ruhigere Momente, die stärker inszeniert und kontrolliert sind. Und es gibt auch Modelle, die mit dieser Art der Fotografie nicht zu Recht kommen, die mehr Anleitung wünschen oder brauchen.
Diese Arbeitsweise passt nicht zu jedem. Man muss sich darauf einlassen, vertrauen (vor allem zu sich selbst), Kontrolle abgeben und sich öffnen.

Auch das passte perfekt; „Du, hör mal. Ich bin nicht der große Anweisungsgeber…“, „Schon klar, bekomme ich hin“. Einfach wunderbar 🙂

Von ganzem Herzen Danke Jenny.

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