“Dass man die Wirklichkeit nicht für gegeben hält”

In dem Podcast des WDR5 heißt es am Anfang, dass unser Wissen unserer Wahrnehmung im Wege steht.

Im ersten Moment rief obiger Satz Widerstand bei mir hervor. Dachte ich doch an Malewitsch und sein Quadrat, welches bei mir immer herhalten muss wenn es darum geht “Kunst zu verstehen”. Wenn man nichts über die Hintergründe des Quadrats weiß, dann ist es eben nur ein schwarzes Quadrat – oder doch nicht?
Zu einem späteren Moment wurde mir erst klar, dass “wahrnehmen” eben nicht “verstehen” ist. Spannend.

Ein paar Jahre war ich “Freund der Kölner Museen”. Man bezahlt(e) einen recht fairen Beitrag und hatte damit für das Kalenderjahr freien Eintritt ins Ludwig und Wallraf. Wobei mich eigentlich immer nur das Ludwig interessiert hat.
Die Idee war weder Geld zu sparen noch die Museen zu fördern, sondern, dadurch, dass es ja bereits bezahlt ist, einfach öfter (und vielleicht auch nur kurz) ins Museum zu gehen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass bei den meisten Museumsbesuchen das Museum ein analoges Instagram ist – man steht 2-3 Sekunden vor dem Bild und geht weiter, nach spätestens 50 Bildern ist man irgendwie erschlagen.
Der Besitz der Dauerkarte entspannt und entschleunigt. Und dass ich quasi täglich am Ludwig vorbeigeradelt bin, war auch förderlich 🙂 Manchmal bin ich einfach im Winter für 20 Minuten zum aufwärmen ins Ludwig gegangen, habe mich vor ein Bild gesetzt und habe auf ein paar Linien von Jo Baer geschaut. Wirklich entspannend 🙂

Ich höre Widersprüche, Denkansätze, Ideen, Optionen u.v.m. in dem Podcast und merke, dass es in der Sendung eigentlich keine Antwort(en) gibt, auf z.B. die Frage, ob denn nun Wissen/Prägung gut oder schlecht für die Betrachtung ist. Aber es ist auch Quatsch, dass es Antworten geben muss. Es gibt halt Sichtweisen 🙂
Es geht um das Bewusstsein für die eigene Wahrnehmung.

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